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Selbstläufer Gewohnheit - Du möchtest etwas verändern, aber kannst es nicht.

Für mich und meinen Mann war es über viele Jahre hinweg eine schöne tägliche Gewohnheit, nach dem gemeinsamen Abendessen im Sommer draußen auf der kleinen Bank vor unserem Haus noch einen Kaffee zu trinken. Alles sacken lassen und gemütlich die Zweisamkeit genießen. Das war mit so vielen positiven Gefühlen behaftet, dass es uns in Fleisch und Blut übergegangen ist. 

 

Irgendwann bekam ich jedes Mal nach dieser schönen Routine Magenschmerzen und Sodbrennen. Jedes Mal habe ich mir vorgenommen, auf diese Tradition zu verzichten und den Kaffee weg zu lassen. Draußen auf der                                                                                                            Bank sitzen geht schließlich auch ohne Kaffee. 

 

Und doch war es jeden Abend das gleiche Spiel. "Ach komm, noch einmal. Morgen lass ich es wirklich!"

 

Tatsächlich habe ich es erst geschafft, diese Gewohnheit abzulegen, als mein Körper deutlicher wurde. 

 

Aber warum ist das so? 

 

Ich habe mir schon so oft vernünftige Dinge vorgenommen, aber die Umsetzung ist so schwer. Obwohl die Dinge so einfach scheinen. 

 

Geht dir das auch so? 

 

Es ist gar nicht so schwer, zu verstehen, was gut tut und was vielleicht sogar schadet. Die Umsetzung ist die eigentliche Herausforderung. Auch wenn der Kopf es unbedingt will. 

 

Ich lese gerade ein Buch, dass mir sehr viele Fragen zu dem Thema beantwortet. 

 

Es beginnt mit einer bemerkenswerten Geschichte. 

 

Da ist ein Mann, der durch eine schwere Fiebererkrankung Gehirnschädigungen erlitten hat. Er kann sich noch an Dinge vor 20 Jahren erinnern, aber sein Kurzzeitgedächtnis fasst nicht mehr als 1 Minute. So ist er jedes Mal, wenn jemand den Fernseher mit der Fernbedienung anmacht, erstaunt, dass man das mit dem kleinen schwarzen Kasten kann. In seiner Jugend gab es das noch nicht. Er frühstückt täglich mehrmals, weil er einfach nicht mehr weiß, dass er das schon vor einer Stunde getan hat. 

 

In einem Interview mit einem Wissenschaftlicher hat er auf die Frage, ob er wisse, wo die Küche ist, mit einem klaren Nein geantwortet. Als der Wissenschaftler ihn bittet, ihm einen Tee zu bringen, steht er auf und geht schnurstracks in die Küche und kommt mit dem Tee wieder. 

 

Wie kann das sein? 

 

Um gewohnte Griffe auszuführen, braucht das Gehirn sich nicht anzustrengen. Diese Dinge sind so tief abgespeichert, dass sie automatisch ablaufen. 

 

Gewohnheiten entstehen oftmals aufgrund positiver Verstärkung. 

 

Also nehmen wir meinen Kaffee am Abend. Das Gefühl in der Abendstimmung und totaler Ruhe die Zeit mit meinem Mann zu verbringen hat mein Gehirn mit dem Kaffee verknüpft. Selbst als er mir schon geschadet hat, konnte ich nicht aus dieser Routine ausbrechen. 

 

Hast du dich schon mal gefragt, warum du es einfach nicht schaffst, deine Ernährung umzustellen?

Warum du automatisch immer wieder zu alt bewährtem greifst? 

 

1. Gewohnheiten sparen Ressourcen

 

Dein Gehirn muss sich nicht sonderlich anstrengen und so sparst du Energie. Wenn das Gehirn das nicht tun würde, dann würden wir wohl alle ziemlich schnell zusammenklappen. Stell dir mal vor. All die täglichen Handgriffe von Haustüre abschließen bis das Auto starten.....alles läuft automatisch. Wie anstrengend es wohl wäre, das alles in höchster Konzentration tun zu müssen. Also Sinn macht es schon. 

 

2. Die Erde liebt Gewohnheiten

 

Die Fähigkeit gut für sich zu sorgen entsteht in der Erde. 

 

Dafür brauchst du eine Erde im Gleichgewicht. 

 

Die Erde liebt die Regelmäßigkeit, das wiederholte Ausführen von Arbeiten und Routinen, sie liebt es, wenn die Zukunft der Vergangenheit gleicht und vorhersehbar ist. Deshalb pflegt sie Traditionen und Gewohnheiten.

 

In guten wie in schlechten Zeiten ;).

 

Das bedeutet, dass die Vorzüge, die die Erde zu bieten hat, genau dann zum Nachteil werden, wenn die Erde ins Ungleichgewicht fällt. 

 

Dann klammert sie sich weiterhin an diese Fähigkeiten, aber sie schadet sich dadurch selbst. 

 

Nimm das als Hilferuf. (Kennst du den Heißhunger auf Süß? Das ist so ein Hilferuf der Erde). 

 

Du kannst dir selber helfen, indem du deine Erde stärkst und sie wieder ins Gleichgewicht bringst. 

 

Wie du deine Erde wieder ins Gleichgewicht bringst, kannst du hier lesen......

 

3. Gewohnheiten sind oft ein Ersatz für emotionale Bedürfnisse

 

Du sitzt vor dem Fernseher  und greifst zur Schokolade. Du willst es nicht, aber du tust es. Abend für Abend.

 

Das hat seinen Grund. 

 

Versuche dein Bedürfnis herauszufinden. Also das Gefühl, dass kurz vor dem Naschen entsteht. 

 

Im Fall der Schokolade ist es möglicherweise das Bedürfnis nach Nähe. 

 

Oder die Leere, die dich nach einem anstrengenden Tag überfällt. 

 

Das Gefühl, irgendwo oder irgendwann am Tag zu kurz gekommen zu sein und das Bedürfnis sich mit etwas Süßem zu trösten. 

 

Oder hast du dich geärgert und musstest das Gefühl herunterschlucken? 

 

Hattest du viel Stress? 

 

Ist dir langweilig? 

 

Achte bewusst auf dieses Bedürfnis und nimm es erstmal einfach nur wahr. 

 

Und dann achte auf den Auslösereiz.

 

Der Auslösereiz wäre in diesem Fall: Auf dem Sofa sitzen. 

 

 

Es kann helfen, jedes Mal, wenn du so einen Auslösereiz wahrnimmst, einen Strich auf einem kleinen Zettel zu machen. So machst du die Auslösereize sichtbar. Siehst, wie oft am Tag du auf sie stößt. Und öffnest dir auf diese Weise die Augen für deine Bedürfnisse. 

 

4 Schritte in richtung veränderung.

 

  1. Stärke deine Erde. Und damit die Fähigkeit der Selbstfürsorge. 
  2. Benenne deine störende Gewohnheit.
  3. Finde heraus, welches Gefühl diese Gewohnheit auslöst und nimm es wahr. 
  4. Finde eine Ersatz-Gewohnheit.

 

Kannst du das dahinterliegende Gefühl auch anders befriedigen? Manchmal ist es leichter, eine Ersatzgewohnheit anzunehmen, statt eine komplett weg zu lassen. Hast du z.B. herausgefunden, dass das auslösende Gefühl vor der Tafel Schokolade am Abend das Bedürfnis nach Geborgenheit ist, das Gefühl, sich sicher aufgehoben zu wissen, dann kannst du die Gewohnheit "Schokolade essen" vielleicht durch die Ersatzgewohnheit "sich in eine kuschelige Decke einwickeln und heißen Tee in einer bauchigen schönen Tasse in der Hand halten" kompensieren. Vielleicht noch mit einer Kerze auf dem Tisch und einer Kanne Tee auf einem Stövchen. 

 

Wie klappt die Ernährungsumstellung?

 

Indem du dir bewusst machst, dass dein Tag schon voller Gewohnheiten ist. 

 

Der Begriff Ernährungsumstellung ist viel zu groß.

 

Du machst es dir leichter, wenn du gezielt eine Gewohnheit heraussuchst, die du ersetzen möchtest. 

  1. Fang klein an, mit einer Sache. 
  2. Verknüpfe sie mit etwas Schönem. 
  3. Akzeptiere, dass es ein Prozess ist, der Zeit braucht. 
  4. Wiederhole es Tag für Tag. 
  5. Beobachte dich wohlwollend und liebevoll. 
  6. Nehme achtsam wahr, was in dir vorgeht. 

was frühstückst du? Möchtest du diese Gewohnheit ändern?

Fang mit dem warmen Frühstück an.

Starte klein. 

Also z.B. nur Sonntags. 

 

Da wäre dann auch schon die positive Verknüpfung. Sonntags haben in der Regel alle frei, haben viel Zeit am Frühstückstisch zu sitzen und sind entspannt.

 

Such dir ein Gericht aus, dass dir richtig gut schmeckt. Dass die Zubereitung etwas Zeit braucht, spielt keine Rolle. Die hast du ja.

 

 

Genieße das Frühstück.

 

Wiederhole es Sonntag für Sonntag, bis die Zubereitung Routine ist und nicht mehr schwer fällt. 

 

Diese Routine unterstützt dich jetzt, wenn du es an einem Wochentag versuchst. 

 

Und so bringst du den Stein ins Rollen. 

 

.....und deine Erde ins Gleichgewicht. 

 

Wenn die Erde im Gleichgewicht ist, dann verändert das auch andere Abläufe in deinem Leben. 

 

So war es auch bei meiner Angewohnheit, Kaffee am späten Abend zu trinken. Ich konnte das Gefühl hinter der Gewohnheit erkennen. Nach einem Tag voller Trubel mit den Kindern war das eine Möglichkeit sich zu entziehen. Ich hatte mir so den Raum geschaffen, die Ruhe und die Nähe zu meinem Mann zu genießen. Außerdem hat mir der Kaffee wieder einen kleinen Stubser gegeben, denn am Ende des Tages war ich ganz schön platt. 

Mir hat es geholfen, den Kaffee durch Getreidekaffee zu ersetzen und in der weiteren Konsequenz darauf zu achten, dass ich für mich genügend Auszeiten                                                                                                                    am Tag eingebaut habe. 

 

Und weil dadurch, und durch die Stärkung meiner Erde, mein Bedürfnis deutlich kleiner geworden war, habe ich die Tasse dann irgendwann gar nicht mehr gebraucht. 

 

Du erkennst dein Bedürfnis und den Auslösereiz, aber du kommst trotzdem nicht aus dem Hamsterrad heraus?

 

Dann gestalte es noch einfacher....

 

1.

Weißt du, wann du Programmierungen bzw. Gewohnheiten auch gut ändern kannst? 

Im Urlaub. Ohne deine vertrauten Auslösereize, also z.B. immer die gleiche Uhrzeit, die gleiche Situation oder der gleiche Ort, bist du frei von der ein oder anderen Gewohnheit und wenn du wieder nach hause kommst, kannst du mit dem Vorsatz starten, etwas zu ändern. 

 

2.

Peter Gollwitzer, ein Professor an der New York University hat eine interessante Strategie entwickelt.

Er nennt es "Wenn-dann-Pläne".

 

Also, wenn du Lust auf Schokolade bekommst, dann gehst du in die Küche und holst dir ein Glas Wasser.

Oder wenn du gestresst bist, dann atmest du dreimal tief ein und aus. 

Es konnte in Studien belegt werden, dass Menschen mit "Wenn-dann-Plänen" beim Ablegen unerwünschter Gewohnheiten erfolgreicher waren, als Menschen, die sich nur ein Ziel gesetzt haben. 

 

Spannend, oder?

Welche Gewohnheit möchtest du unbedingt ablegen?

Schreib mir einen Kommentar. 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Elke (Sonntag, 06 Januar 2019 17:26)

    Liebe Anja,

    Mit dem Nasche vor dem Fernseher habe auch ich so meine Probleme. Mein Ziel ist dieses zu ändern. Aber, wie du schon beschreibst, es ist nicht so einfach. Ich falle immer wieder darauf rein. Ich versuche es jetzt mal mit deiner Methode. Vielleicht klappr es. Ich melde mich wieder.

    Liebe Grüße Elke

  • #2

    Anja (Sonntag, 06 Januar 2019 19:39)

    Liebe Elke, ich drücke dir fest die Daumen. Ich freue mich, wenn du mich auf dem Laufenden hälst. Vielen Dank für deine Worte, liebe Grüße Anja