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Ist die Umsetzung der 5-Elemente-Ernährung im Altag wirklich so easy? 5 kleine Denkanstöße.

 

Online heißt das Zauberwort. Alles ist verfügbar und für einen Menschen wie mich, der Wissen wie ein Schwamm aufsaugt, ist das pure Magie. 

 

Das kann richtig süchtig machen. Wieder ein Aha-Erlebnis. Wieder das Gefühl, hey, in dem Text finde ich mich wieder. Da öffnet sich wieder eine Tür. 

 

Und doch kommst du nicht weiter.

 

Fühlst du dich wie ein Sprinter, der mit angespannten Muskeln am Startblock steht und trotzdem nicht los läuft?

 

1. Dein neues Wissen muss sich setzen und reifen. Das braucht Zeit. 

 

Die Milz ist für die Verdauung zuständig, das weißt du bestimmt schon. 

 

Und sie verdaut nicht nur Nahrung. 

 

Sie verdaut auch alles, was du über Augen und Ohren in dich aufgenommen hast. 

 

Jeder Artikel, jedes Buch, jedes Webinar, alles musst du verdauen. 

 

Verdauen heißt verstehen, ablegen und speichern. Manche Sachen musst du vielleicht sogar zweimal verdauen. 

 

Du erwartest auch nicht, dass du deine Mahlzeit innerhalb weniger Minuten verdaut hast. 

 

Und noch wichtiger: Wenn du gerade gegessen hast, dann fühlst du dich satt. Dann isst du im Normalfall nicht pausenlos weiter.

 

Genauso sollte es auch mit deinem neu erworbenen Wissen sein. 

 

Es muss sich setzen, es muss von allen Seiten betrachtet werden und es muss reifen. 

 

Leider konsumieren wir heute Wissen ähnlich wie Schokolade. 

 

Und wir machen es ganz lässig nebenbei. Wir hören Podcasts beim Autofahren oder schauen Videos beim Warten auf die Straßenbahn.

 

Ich habe in einem sehr entzückenden Buch von Eric-Emmanuel Schmitt "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" einen wundervollen Satz gelesen:

 

"Die Langsamkeit, sie ist das Geheimnis des Glücks."

 

Es ist Ausdruck deiner gesunden Milz, aus all dem großen Angebot unserer Zeit genau das aufzunehmen, was dir gut tut. 

 

Läufst du auf der Stelle?

 

2. Das neue Wissen muss mit deiner persönlichen Erfahrung verknüpft werden.

 

Theorie und Praxis sind wie ein paar Schuhe. 

 

Ohne den Linken taugt der Rechte nichts. 

 

Das Internet ist Theorie, selbst wenn hinter den Artikel-Schreibern, Webinar-Gebern und Podcast-Sprechern deren Wissen steht, wird die 5-Elemente-Ernährung erst in dem Moment zu einem Ganzen, wenn deine eigene Erfahrung dazukommt. 

 

Als ich angefangen habe, die 5-Elemente-Ernährung zu studieren, musste ich immer einen Monat ausharren, bevor das nächste Seminarwochenende anstand. Natürlich habe ich die Zeit mit Lernen und Lesen genutzt, aber meistens habe ich meine Mitmenschen studiert. Ich habe beobachtet und gefragt und alles  notiert und immer wieder verglichen, mit dem was ich schon gelernt hatte. 

 

Und ich habe mich beobachtet. 

 

Und die Jahreszeiten, die Tagesabläufe, das Wetter...einfach alles. 

 

So hat sich das Wissen gesetzt und mir auch die Möglichkeit eröffnet, so manches was ich in Büchern oder im Internet gelesen habe, als nicht richtig oder für mich nicht zutreffend auszuschließen. 

 

Und dieser Vorgang hält noch an. Ich glaube auch nicht, dass er jemals endet. Ich möchte das auch gar nicht. Jedes Mal bin ich aufs Neue fasziniert, wenn ich mein Gelerntes schon wieder von einer neuen Seite betrachten darf. 

 

Wusstest du, dass die TCM als solches schon einmal einen zeitweiligen Untergang erlebt hat, weil es versäumt wurde, die entsprechenden Erfahrungen zu machen? 

 

Tatsächlich wurde sie über viele Generationen und Jahrhunderte hinweg als eine Art Geheimwissen vom Vater an den Sohn oder vom Meister an den Schüler vererbt und wurde so nicht in die breite Öffentlichkeit getragen. 

 

Aber natürlich ist sie irgendwann nicht mehr "geheim" geblieben und immer mehr Menschen haben sich damit beschäftigt. Als dann der Buchdruck in China erfunden wurde, führte dies zu ihrem Untergang. Das klingt merkwürdig, aber das Problem war, dass eine reine Büchergelehrsamkeit entstand. 

 

Das Wissen der TCM wurde nicht mehr durch Erfahrungen überprüft, stattdessen gaben Ärzte und Co. Bücherwissen weiter. Und sie schrieben auch wieder Bücher, basierend auf dem Wissen aus Büchern. 

 

Du weißt nicht, wohin du laufen sollst?

 

3. Du hast niemanden den du fragen kannst.

 

 " Wenn du warm frühstückst, hast du nie wieder kalte Füße!" 

 

Das habe ich auch irgendwo im Internet gelesen.

 

Und was wenn doch? 

 

Bist du dann unnormal? Oder unfähig? Oder funktioniert etwa das ganze Prinzip nicht? 

 

Im besten Fall stimmt deine Erfahrung mit dem gelernten Wissen überein und alles läuft gut. 

 

Aber was, wenn es nicht klappt? Und genau da hakt es. Das Internet. 

 

Jetzt bräuchtest du jemanden mit Erfahrung, der dir sagt: "Hey, es funktioniert aus diesem oder jenem Grund nicht. Versuch es mal auf diese Weise!"

 

Wenn ich nicht weiterkomme oder etwas nicht verstehe, dann frage ich meine Lehrerin, zu der ich einen engen Kontakt pflege. Sie hat mich schon vor meiner Ausbildung beraten. 

 

Sie kennt mich deshalb gut, sie weiß wo ich stehe und was ich brauche. Sie betrachtet mich mit Abstand und greift dabei auf ihre Erfahrungen zurück. 

 

Sie lebt seit über 20 Jahren nach der TCM und ihr Wissen ist ihr Schatz. 

 

Und mit ihrer Hilfe kann sich mein Wissen setzen und reifen. 

 

Und wir können es an meine Bedürfnisse anpassen. 

 

Du kannst nicht mehr, das Laufen ist zu anstrengend?

 

4. Deine persönliche Konstitution wird nicht berücksichtigt. 

 

"Ich habe so viele Nahrungsmittel auf meiner Liste, die ich jetzt nicht mehr essen darf und so viele andere, die ich gar nicht kenne und nicht einmal weiß, wie ich sie zubereiten soll! Und gleichzeitig fühle ich mich so schwach, dass ich gar nicht glaube, dass ich die Kraft habe, all das umzusetzen!"

 

Diesen Satz habe ich schon in einigen Beratungen so oder ähnlich gehört. Wenn du z.B. unter einer massiven Milz-Qi-Schwäche leidest oder unter einem Yin-Mangel, du also sehr erschöpft bist, dann lässt dieser Zustand eine aufwendige Kocherei gar nicht zu. Deine Schritte müssen dann ganz klein sein. Du kannst nicht gleich das volle Programm leben. Du würdest auch nicht erwarten, dass jemand nach 14 Tagen Grippe am 15. Tag einen Marathon läuft. 

 

Dann ist es wichtig, dir eine Sache herauszusuchen, mit der du starten kannst. Und dann eine weitere, in deinem Tempo. 

 

Wirf einen Blick auf deine Ressourcen: 

  1. Gibt es eine Oma/Mutter oder Tante, die dich gerne eine Weile bekochen würde? 
  2. Hat dein Mann vielleicht ungeahnte Talente? 
  3. Gibt es ein gutes Restaurant in deiner Nähe? 
  4. Gibt es gute Fertigprodukte?

 

Oder bist du beim Laufen auf ein Hindernis gestoßen?

 

5. Deine persönliche Lebenssituation wird nicht berücksichtigt. 

 

Du bist berufstätig oder hast sonst viel um die Ohren. 

Du hast gar keine große Kocherfahrung. 

Du kochst einfach nicht gerne. 

Du möchtest schon, aber alleine der Satz "3x am Tag kochen" erschlägt dich. 

Du hast keine Möglichkeit, dein Essen mittags warm zu machen.

 

"Das viele Kochen hat mich unglücklich gemacht und irgendwann war ich frustriert, weil das alles eben doch sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Ich war aber auch frustriert, weil einem auf vielen TCM Seiten stets gesagt wurde, dass das alles zu schaffen sei, anstatt wirklich anzugeben, wie viel Zeit das alles in Anspruch nimmt."

 

Natürlich hat nicht jeder Zeit und Lust ständig hinter dem Herd zu stehen. Ich auch nicht. 

 

Du brauchst jemanden, der mit dir deinen Alltag durchgeht, deine Stärken und Schwächen erkennt und zusammen mit dir das Machbare findet. Mit der Bereitschaft zu Kompromissen. 

 

Ich habe ein paar Ideen für Kompromisse:

 

1. Getreide kannst du schon gekocht kaufen. 

2. Hülsenfrüchte kannst du im Glas eingekocht kaufen. 

3. Koch einmal eine große Portion und esse ein paar Tage davon.

4. Es gibt im Bereich Porridge auch gute Fertigprodukte.

5. Ein Thermobehälter ermöglicht dir an jedem Ort und zu jeder Zeit warmes Essen. 

6. Verwende Lebensmittel die leicht und schnell zu kochen sind. 

 

Die große Stärke der 5-Elemente-Ernährung liegt in der Individualität.

 

Sie gibt dir die Möglichkeit dich selbst besser kennen zu lernen und presst dich nicht in eine Schablone. 

 

Sie ist keine Kopfschmerztablette, die man einwirft und sofort ist alles gut. 

 

Und genau deshalb lohnt es sich, diesen Weg zu gehen. 

 

Lass mich dir noch die "Besser-als-Regel" vorstellen.......damit du dich zum Artikel-Abschluss noch etwas mehr entspannen kannst.......

 

 

Was sind deine Stolpersteine?

Schimpfst du zwischendurch auch schon mal mit dir?

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Kommentare: 2
  • #1

    Kirstin (Samstag, 23 Februar 2019)

    Liebe Anja,
    wie immer sprichst du mir aus der Seele <3....
    Viel tausend Dank !!!

  • #2

    Anja (Samstag, 23 Februar 2019 22:35)

    Liebe Kirstin, ich freue mich immer wieder, wenn ich dich erreiche. Liebe Grüße <3