Brot aus Sicht der TCM! Warum du Reis und Co. den Vorzug geben solltest.

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Während meiner ersten Sitzung bei einer Ernährungsberaterin nach TCM habe ich ziemlich große Augen bekommen, als diese meinte, dass ich vorerst das Brot von meinem Speiseplan streichen soll.

 

Mein Tag fing, wie vermutlich bei dir und deinen Lieben auch, mit Brot an. Genauer gesagt, meistens mit zwei Scheiben Vollkorntoastbrot. Und weil ich es morgens süß mag, mit Marmelade und Honig.

 

Meine damalige „gesunde“ Alternative war ein Müsli mit Milch.

 

Aber auch das war nicht Bestandteil der Empfehlung aus der eben erwähnten Beratung.

 

Wie du vielleicht schon weißt, ging es mir zu dem Zeitpunkt nicht gut (wenn dich das interessiert, dann schau mal hier…), und deshalb griff ich diesen Ratschlag auf, obwohl ich mir das nicht so recht vorstellen konnte.

 

Der Kompromiss, den ich damals schloss: Brötchen und Croissants beim gemeinsamen Sonntags-Frühstück waren erlaubt.

 

Also startete ich am darauffolgenden Tag mit einem warmen Hirse-Brei (zum Rezept-Video geht es hier entlang).

Und das zog ich durch. Tag für Tag, Woche für Woche.

 

Nach ein paar Wochen kochte ich mir auch am Sonntag-Morgen meinen Hirse-Brei. Die mitleidigen Blicke meiner Familie waren mir egal.

 

Ich hatte gar kein Bedürfnis mehr auf Brot und Brötchen.

 

Tatsächlich fühlte ich mich, jetzt, wo ich den Vergleich hatte, gar nicht mehr so wirklich gesättigt nach einer Brot-Mahlzeit.

 

Ich weiß, dass es für viele schier unvorstellbar ist, auf Brot zu verzichten. Und vielleicht stellst du dir die große Frage:

 

Muss ich auf Brot verzichten, wenn ich mich nach TCM ernähre?

 

Ich stelle dir einfach mal die Gegenfrage:

Warum brauchst du das Brot?

  • Es geht schnell.
  • Es schmeckt den meisten Menschen, vom Genießer bis zum Futtermäkler.
  • Es macht satt.
  • Verschiedene Beläge bringen Abwechslung.
  • Du kannst es an jeder Ecke kaufen.
  • Man kann es so gut mitnehmen.

Stimmt, aber wie optimal ist es für dich?

 

Und das ist die Frage, die aus Sicht der TCM gestellt wird.

 

Aus Sicht der TCM ist gekochtes Getreide deutlich bekömmlicher als eine Brotmahlzeit. Und die Bekömmlichkeit steht an erster Stelle.

 

Es geht also gar nicht darum, ob ein Lebensmittel erlaubt ist oder nicht, sondern, welches die bessere Wahl für dich ist, welches am besten zu dir passt. 

 

Wenn du z.B. öfters unter Durchfall und Blähungen leidest, dann könntest du dich gut mit Hirse, Reis und Buchweizen unterstützen. Denn diese Sorten bringen etwas Wärme in dein unterkühltes Verdauungssystem. Außerdem sind sie glutenfrei, für den Fall, dass dein Darm darauf reagiert. Im Gegensatz dazu, wenn du mehr mit Verstopfung zu tun hast, dann könnte dir die kühlende Gerste helfen. Probiere das doch einmal aus.

 

 

Aber bitte nicht als Brot 😉….Ich spreche von gekochtem Getreide.

 

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Getreide ist ein harmonisches Lebensmittel, denn…

 

  • es hat eine ausleitende und ausscheidende Wirkung. Es reinigt sozusagen deine Mitte, indem es moderat entschlackend wirkt.
  • Gleichzeitig nährt es und baut Substanz auf. Das macht es sehr wertvoll.

Leider verändern sich diese positiven Eigenschaften, wenn Getreide zu Brot verarbeitet wird. Aus diesem Grund gilt auch die Empfehlung, auf Brot zu verzichten, wenn du abnehmen möchtest.

 

Übrigens…

In Kombination mit Hülsenfrüchten liefert dir Getreide alle essentiellen Aminosäuren und damit ein vollwertiges biologisches Eiweiß. Wenn du darüber mehr erfahren möchtest, dann schau mal hier…

 

Grundsätzlich haben alle Getreidesorten durch den süßen Geschmack einen Bezug zum Erd-Element. Sie stärken also deine Mitte. Durch verschiedene thermische Tendenzen kannst du darüber hinaus moderat kühlen oder wärmen. Je nach Typ.

10 Getreidesorten und ihre Zuordnungen

Buchweizen

neutral

süß-bitter

glutenfrei

Dinkel

neutral-kühl

süß-sauer-salzig

hoher Glutengehalt

Gerste

kühl

süß-salzig

hoher Glutengehalt

Grünkern

neutral-warm

süß-sauer

hoher Glutengehalt

Hafer

warm

süß

geringer Glutengehalt

Hirse

neutral (kühl)

süß-bitter-salzig

glutenfrei

Mais

neutral

süß

glutenfrei

Reis

neutral

süß

glutenfrei

Roggen

kühl

süß-bitter

hoher Glutengehalt

Weizen

kühl

süß-salzig

hoher Glutengehalt

Was du bei der Zubereitung von Getreide beachten solltest:

 

Um Getreide bekömmlicher zu machen, sollte es traditionell zubereitet werden. Diese Zubereitung kann dabei, je nach Getreide, das vorherige Einweichen einschließen. So werden bereits Enzyme aktiviert, die dir bei der Verdauung helfen. Das Kochen schließt die Pflanzenzellen auf. Ein anschließendes Ausquellen zwischen 10 – 50 Minuten erhöht die Verfügbarkeit der Inhaltsstoffe und verbessert weiter die Bekömmlichkeit.

Quelle: Checkliste – Chinesische Diätetik von Stefan Englert

 

Das klingt etwas abstrakt, deshalb habe ich dir hier aufgelistet, welches Getreide du wie zubereitest: 

 

Getreideart       Flüssigkeitsmenge   Einweichzeit      Kochzeit             Nachquellzeit

                                                                 in Stunden         in Minuten          in Minuten 

Amaranth

doppelte

-

25

15

Buchweizen

doppelte

-

5-10

15

Dinkel  

doppelte

10

25

40

Gerste

doppelte

10

15

40

Grünkern

doppelte

-

15

20

Hafer   

knapp doppelte

5

15

20

Hirse    

doppelte

-

10-15

10

Kamut

doppelte

10

30

15

Quinoa

doppelte

-

15

10

Natur Reis

doppelte

2

25-40

15

Roggen

doppelte

10

45

30

Weizen

doppelte

10

30

15

 

 

Quelle: Erfahrungen Rosemarie Zehetgruber, Landwirtschaftskammer OÖ, 1998

 

Hier geht es zum Download der Liste….

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Lange Einweichzeiten schrecken ab. Das verstehe ich. Geht mir genauso.

 

Deshalb findest du auf meinem Teller meistens Reis, Hirse, Hafer, Couscous, Bulgur, Quinoa und Amaranth. Wenn du dir größere Portionen auf Vorrat kochst, hast du dein Getreide immer schnell verfügbar im Kühlschrank und auf diese Weise sparst du Zeit ein.

 

Aber noch einmal zurück zum Brot.

 

Du musst nicht komplett verzichten.

 

Vielleicht kommst du mit dem gleichen Deal hin wie ich.

 

Ab und zu eine Scheibe Brot ist für die meisten Menschen kein Problem. 

 

7 Tipps rund um das Brot und die Bekömmlichkeit

1. Iss Brot zur Suppe.

Durch die Suppe ist das Brot nicht zu trocken.

 

2. Kaue gut.

Durch intensives Kauen wird das Brot gut eingespeichelt, und deiner Mitte so schon ein wenig Arbeit abgenommen.

 

3. Wähle eine Brot-Sorte mit einem hohen Roggenanteil oder reines Roggenbrot.

Meine Ausbilderin Dr. Claudia Nichterl nennt den Roggen „die Diva in der Backstube“. Dieser Satz ist bei mir hängen geblieben. Tatsächlich ist es so, dass Roggen durch den Sauerteig, der für die Herstellung eines Roggen-Brotes gebraucht wird, bekömmlicher wird. Dieser Sauerteig wird traditionell über mehrere Tage angesetzt, und auf diese Weise wird im Vorfeld schon einiges an Verdauungsarbeit geleistet.

 

4. Hüte dich vor Backmischungen.

Leider wird aus Gründen von Wirtschaftlichkeit und Zeitoptimierung vermehrt auf Backmischungen zurückgegriffen. Geh-Zeiten werden so vermieden und eine längere Haltbarkeit erzielt. Das geht leider auf Kosten der Bekömmlichkeit. Erkundige dich bei deinem Bäcker, ob er mit Backmischungen arbeitet.

 

5. Teste Pumpernickel.

Pumpernickel wird über 20 Stunden gebacken und ist somit das Congee unter den Brot-Sorten. Meiner Erfahrung nach, wird dieser deshalb in der Regel recht gut vertragen.

 

6. Toaste dein Brot.

Der Toaster leistet etwas Vorarbeit bei der Verdauung.

 

7. Spüre in dich hinein.

Ob dir Brot gut bekommt oder nicht, entscheidest am Ende du.

           Wie geht es dir nach einer Brotmahlzeit? Fühlst du dich über einen längeren Zeitraum gut gesättigt? Reagierst                 du mit Blähungen oder Bauchschmerzen? Bist du müde? 

 

Vergleiche wie es dir mit gekochten Getreidemahlzeiten geht.

 

Und genau das war letztendlich ausschlaggebend dafür, dass ich mittlerweile meistens meinen Brei oder ein Porridge, ein herzhaftes Omelette oder sogar manchmal eine Suppe am Morgen dem Brot vorziehe.

 

Mir geht es gut damit.

 

Und bei aller Vernunft…..wenn du zwischendurch dein Brot brauchst, weil es dir so gut schmeckt und du auf diesen Genuss nicht verzichten möchtest, dann sei es dir auch von ganzem Herzen gegönnt.

 

 Wie heilig ist dir dein tägliches Brot?

 

Gibt es bei dir in der Nähe noch einen guten Bäcker?

 

Oder backst du selbst?

 

Hinterlasse mir gerne einen Kommentar.

 

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Ramona Günther (Donnerstag, 27 Februar 2020 15:52)

    Hallo Anja,

    wenn aber Hirse eher kühl ist, wie kann sie dann Wärme in mein unterkühltes Verdauungssystem bringen. Ich neige sehr zu kalten Händen und Füßen und habe Verdauungsprobleme. Ab und an möchte ich schon eine Scheibe Brot, welches ich selber backen. Ich verwende momentan Dinkel- und Dinkelvollkornmehl. Wie ist da ein Expertentipp?

    Besten Dank

    LG Ramona

    meine e-Mail Adresse - ramona.guenther2@freenet.de

  • #2

    Anja (Donnerstag, 27 Februar 2020 17:58)

    Liebe Ramona, die Einteilungen in kalt, erfrischend, neutral, erwärmend und heiß sind im Fall von Getreide eher so anzusehen, dass gewisse Akzente damit gesetzt werden. Eine kalte Banane als Rohkost z.B. ist nicht vergleichbar mit einer leicht kühlenden Hirse. Wenn du also z.B. eine Frau in den Wechseljahren bist, und unter Hitzewallungen leidest, während dir sonst eher kalt ist, passt die Hirse super. Durch den Vorgang des Kochens wärmt sie dein Verdauungssystem und gleichzeitig steuert sie gegen die Hitzewallungen. Aber da sprechen wir schon vom Fine-Tuning. Für dich ist in erster Linie wichtig: Gekochtes Getreide, auch Hirse, wirkt wärmend und unterstützend für dein Verdauungssystem. Wenn du ab und zu Lust auf Brot hast, dann iss es. Keine Nahrung kann gesund sein, wenn der Genuss fehlt ;). Du kannst die Brot-Scheiben toasten, wenn du das Gefühl hast, dass sie dir nicht so gut bekommen. Spüre und höre in dich hinein. Wenn du dich nach einer Scheibe Brot gut fühlst und deine "Seele" sie braucht, dann gönne sie dir gerne. Liebe Grüße und alles Gute für dich.

  • #3

    Beate (Freitag, 06 März 2020 19:40)

    Hallo Anja!
    Ich frühstücke bereits 2 Jahre. Porrigde oder ähnliches . Aber mein Mittagessen besteht aus Brot , da ich arbeite und keine Pause mache. Wenn ich nach der Arbeit nach Hause komme bin ich schon wieder sehr hungrig und nehm mir Wurstbrote, da dies sehr schnell geht. Ich habe es schon mit Vorkochen von Suppen probiert, ich habe absolut keinen Gusto nach Suppen. Andere Speisen sind schwer aufzuwärmen. Ofengemüse mag ich nicht und nur mit gekochtem Gemüse ist mein Hunger nicht gestillt. Irgendwie kämpfe ich mit dem Essen. Lg

  • #4

    Anja (Freitag, 06 März 2020 19:59)

    Hallo Beate! Danke für deinen Kommentar. Erstmal ist es ja super, dass du regelmäßig warm frühstückst. Dass du das Gefühl hast, mit dem Essen zu kämpfen finde ich sehr schade. Aber ich kann nachvollziehen, dass es irgendwann Kopfsache wird und Druck ausübt. Ich überlege gerade, wie du den Druck rausnehmen kannst und da fällt mir ein, dass du ja erst einmal die Brote aufwerten kannst. Vielleicht findest du mal Zeit, Gemüse vorzuschnippeln und in einer Tupperdose im Kühlschrank aufzubewahren. Dann könntest du, wenn du abends nach hause kommst, ein oder zwei Handvoll Gemüse kurz in eine Pfanne werfen und ein paar Minuten andünsten, um es als Beilage zu deinem Brot zu essen. Auf diese Weise könntest du auch alles für ein Omelette vorbereiten. Zucchini, Tomaten und Paprika könntest du schon vorschneiden und dann am Abend zusammen mit Eiern in die Pfanne werfen und dann hast du auch in ein paar Minuten ein warmes Gericht. Ansonsten wäre es eine Möglichkeit, etwas vom Porridge vom Frühstück mit auf die Arbeit zu nehmen und beim Nachmittagstief (geht auch kalt) zu essen. Dann bist du nicht über hungrig, wenn du nach hause kommst und hast dann vielleicht etwas mehr Muße, dir etwas leichtes und schnelles zu kochen. Es muss nicht unbedingt Suppe sein ;). Liebe Grüße :)