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Grippe und Infekte aus Sicht der TCM. Wie du dein Immunsystem stärken kannst.

Bildquelle: www.pixabay.de

 

Bleibst du zuhause, wenn du krank bist? Oder schleppst du dich ins Büro?

 

Wie viel Zeit nimmst du dir, um deine Erkältung oder Grippe auszukurieren?

 

Ich habe einen guten Grund, warum ich dich das frage.

 

Bist du im Winter ständig krank? Angelst dich so von einem Schnupfen zum nächsten? Hustest nachts fleißig weiter, obwohl deine Erkältung eigentlich schon längst überstanden ist? 

 

Ich hatte vor ein paar Jahren, zu diesem Zeitpunkt arbeitete ich im Büro und schob eintönig Zahlen von links nach rechts, ständig Reizhusten. Ich war nicht erkältet. Aber ich habe gehustet. Manchmal nachts, aber meistens tagsüber. Und interessanterweise nie zuhause, sondern immer nur im Büro. Die Hustenanfälle kamen einfach aus dem Nichts und ich war für ein paar Minuten „out of order“. 

Ich habe das damals als lästig empfunden. Aber mein Arzt riet mir, das nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Wenn ich durch die Brille der TCM schaue, dann verstehe ich seinen Rat.

 

Deshalb möchte ich dir heute ein paar Infos über grundlegende Mechanismen geben. Und darüber, wie eine chronische Infektanfälligkeit entsteht. 

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Wenn du das Gefühl hast, du wirst deine Erkältung ewig nicht los. Oder du hast den Eindruck, du nimmst aber auch jeden Bazillus mit, der dir über den Weg läuft, dann lies bitte weiter.

 

Wie du vielleicht schon weißt, hat jedes deiner Organe bestimmte Aufgaben und Eigenschaften. Da dies sehr komplex ist, spricht man von Funktionskreisen.

 

Arbeitet oder funktioniert ein solcher Funktionskreis, oder auch mehrere, nicht richtig, dann entsteht ein Ungleichgewicht, in dessen Folge dein Körper nicht mehr richtig versorgt wird.

 

Die Arbeitsgruppe in deinem Körper, die für das Immunsystem zuständig ist, besteht aus dem Funktionskreis Lunge, Milz und Niere.

 

Durch ihre Zusammenarbeit entsteht das Wei Qi – das Abwehr-Qi.

 

Und damit sind wir bei einem sehr zentralen Punkt in der TCM. Deine Gesundheit und Vitalität hängt davon ab, ob du ausreichend Qi in dir hast und ob es frei fließen kann.  Qi ist deine Lebensenergie und es gibt viele verschiedene Aspekte von Qi.

 

Um zu begreifen, warum ein Organ nicht mehr richtig arbeitet, macht es Sinn, sich erst einmal seine Aufgaben anzuschauen und zwar mit dem Fokus auf das dazugehörige Qi. 

 

Die LUnge

 

Die Lunge kontrolliert die Atmung.

 

In der schönen und bildreichen Sprache der alten Chinesen heißt es, dass die Lunge das reine Qi des Himmels einatmet und das unreine Qi ausatmet. Das klingt schön, oder? Nimm einmal einen tiefen, bewussten Atemzug und spüre, wie die eingeatmete Luft bis tief in deinen Bauch vordringt. Auf diese Weise verteilt die Lunge das himmlische Qi und versorgt deinen Körper. Tag für Tag, Minute für Minute.

 

Weiter heißt es, dass die Lunge die Haut nährt und ebenfalls kontrolliert. 

 

Wenn die Lunge nicht mehr richtig arbeitet – die Lungen-Qi- Schwäche.

 

Spricht man von einer Lungen-Qi-Schwäche, so ist damit ein chronischer Zustand gemeint. Eine Erkältung pro Jahr ist noch keine chronische Erkrankung. Leidest du aber unter einer hohen Infektanfälligkeit im Bronchialbereich mit immer wiederkehrendem Husten, Kurzatmigkeit bis hin zum Asthma, dann deutet das auf eine Lungen-Qi-Schwäche hin. 

 

5 Körperliche Symptome einer Lungen-Qi-Schwäche

  1. Infektanfälligkeit, häufige und immer wiederkehrende Infekte.
  2. Chronische und immer wiederkehrende Halsentzündungen, Bronchitis und Husten.
  3. Verstopfte Nase.
  4. Schwache Stimme.
  5. Kurzatmigkeit

Wie entsteht die Lungen-Qi Schwäche?

 

Es gibt verschiedene Muster, die letztendlich zu einer Lungen-Qi-Schwäche führen können.

 

In diesem Artikel geht es um Infekte der Atemwege. Ein mögliches Muster ist, dass sich die Lungen-Qi Schwäche als Spätfolge einer akuten Erkrankung der Atemwege entwickelt.

 

Im Normalfall bleiben eingeatmete Fremdkörper wie z.B. Krankheitserreger, Staub oder Gase an den feuchten Schleimhäuten haften. Von dort aus werden sie in Richtung Rachen abtransportiert. Trocknen die Schleimhäute aber aufgrund von chronischem Husten oder Giftstoffen, wie sie z.B. beim Rauchen entstehen, aus, dann ist diese Schutzfunktion nicht mehr vorhanden. Übrigens schadet auch lange anhaltende Trauer dem Lungen-Qi, ebenso wie eine schlechte Haltung oder Verspannungen im Nacken und Brustbereich. Eben alles, was dich daran hindert, tief durch zu atmen.

 

Normalerweise lässt die Lunge das eingeatmete Qi tief nach unten in den Bauch fließen. Sind aber die Schleimhäute zu trocken, muss die Lunge diesen Qi-Fluss umkehren, um die Fremdkörper durch Husten auszuwerfen. Auf Dauer zehrt das an den Kräften und verbraucht das kostbare Lungen-Qi. Und gleichzeitig kommt nicht mehr genug Qi, westlich gesprochen Sauerstoff, im Bauch an, und so kommt es zur Kurzatmigkeit.

 

Hält dieser Zustand länger an, entwickelt sich eine Lungen-Qi-Schwäche. Meistens geschieht dies bei Menschen, die unter COPD, Asthma oder chronischer Bronchitis leiden. Einen weiteren Artikel zu diesem Thema findest du hier…

 

Da die Lunge auch die Haut kontrolliert, gelingt es ihr aufgrund des Qi-Mangels nicht mehr, die Türen vor potentiellen Krankheitserregern zu schließen.

 

Wie Krankheitserreger in deinen Körper eindringen, findest du hier…

 

6 Gewohnheiten, die deine Lunge stärken

  1. Atme mehrmals am Tag bewusst tief ein und aus.
  2. Verbringe so oft wie möglich Zeit an der frischen Luft.
  3. Hör mit dem Rauchen auf.
  4. Nimm dir Zeit Erkältungen gut auszukurieren.
  5. Achte auf eine gute Körperhaltung.
  6. Baue kleine Yoga oder Qi-Gong Übungen in deinen Alltag ein.

Die Milz

 

Die Milz ist dafür zuständig, den Menschen zu nähren. Sie ist verantwortlich für die Verdauung und auf diese Weise auch für die Bildung von Qi und Blut, welche sie durch ihre Transformationskraft aus der Nahrung gewinnt. So stellt sie sicher, dass der Mensch mit genügend Grundenergie versorgt wird und, dass das Abwehr-Qi kräftig ist.

 

Bei einer Milz-Qi-Schwäche wird diese Versorgung nicht mehr aufrechterhalten, es wird nicht ausreichend Qi gebildet, und/oder es fließt nicht mehr frei. In der Folge sinkt auch die Stärke der Abwehrkraft.

 

Wenn die Milz nicht mehr richtig arbeitet – die Milz-Qi-Schwäche

 

Aufgrund von ungesunden Ernährungsgewohnheiten, aber auch durch körperliche und geistige Überlastung oder durch eine chronische Krankheit, kann die Milz in ihrer Arbeit geschwächt und blockiert werden. 

 

10 Körperliche Symptome einer Milz-Qi-Schwäche

  1. Infektanfälligkeit inklusive Magen-Darm-Problemen.
  2. Müdigkeit
  3. Auch chronische Müdigkeit (CFS)
  4. Immer wiederkehrende Erkältungskrankheiten.
  5. Verdauungsprobleme
  6. Wassereinlagerungen
  7. Konzentrationsschwäche
  8. Übergewicht
  9. Schweregefühl
  10. Bindegewebsschwäche

Wie entsteht die Milz-Qi-Schwäche?

 

Die Milz ist anfällig für Kälte und Feuchtigkeit. Nahrungsmittel, die in die Kategorie kalt und/oder feucht fallen, schwächen, im Übermaß genossen, die Milz und damit die Verdauungskraft. Aber auch auf psychischer Ebene kann es sein, dass ein Mensch das ihn Umgebende nicht verdauen kann. Stress, Essen zwischen Tür und Angel, Streitgespräche bei den gemeinsamen Mahlzeiten, Schicksalsschläge oder aber auch Essen vor dem Fernseher, all diese Dinge müssen ebenfalls von der Milz verdaut werden. Eine Dauerbelastung führt, ebenso wie ungünstige Ernährungsgewohnheiten zu einer Überlastung und damit zu einer Milz-Qi-Schwäche.

 

Die Milz ist speziell zuständig für die Abwehr von Krankheitserregern, die versuchen, über den Verdauungstrakt in den Körper einzutreten. Fehlt es nun am Abwehr-Qi von Seiten der Milz, kommt es häufiger zu Infekten wie Magen-Darm-Grippen aber auch zu Erkältungen.  

 

7 einfache Tipps wie du deine Milz stärken kannst

  1. Vermeide Rohkost.
  2. Milchprodukte nur in kleinen Mengen.
  3. Starte den Tag mit einem warmen Frühstück.
  4. Iss so oft wie möglich gekochtes, warmes Essen.
  5. Vermeide stressige Situationen während deiner Mahlzeiten.
  6. Nimm dir Zeit für deine Mahlzeiten.
  7. Unterstütze deinen Körper durch regelmäßige Mahlzeiten.

Milz und Lunge bilden zusammen das Abwehr-Qi

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Einen weiteren Aspekt gibt es noch. 

 

Die Nieren

 

Die Nieren speichern dein vorgeburtliches Qi. Das ist deine Essenz. Im westlichen würden wir diese Essenz wohl mit unserer Konstitution vergleichen.

 

Das vorgeburtliche Qi entsteht bei der Zeugung und ist im Grunde ein Geschenk deiner Eltern an dich. Ich vergleiche diese Essenz immer mit einem Vorratskeller. Ist er gut gefüllt, dann kommst du auch gut durch schlechte Zeiten. Ist er das schon von Beginn an nicht, oder hast du ihn zu sehr geplündert, dann fordern schlechte Zeiten dich mehr heraus.

 

Wenn du mehr über die Nieren, das Wasser und die Essenz lesen möchtest, dann schau mal hier….

 

Aber die Aufgabe der Nieren im Team „Abwehrkraft“ geht noch etwas weiter.

 

Karin Wallnöfer beschreibt es in ihrem Buch „Chinesische Medizin verstehen“ sehr schön:

 

„Lunge und Niere begegnen einander bei einer vollen und tiefen Atmung. Ist einer dieser beiden oder sind beide Funktionskreise geschwächt oder in ihrer Funktion eingeschränkt, so kann es zu Störungen kommen: die Atmung stockt, Ein- und Ausatmung kommen aus dem Gleichgewicht.“

 

Das himmlische Qi kann nicht richtig aufgenommen werden. Ein weiterer Punkt, der einen Qi-Mangel begünstigt.

 

9 Einfache Tipps wie du deine Nieren stärken kannst

  1. Lasse keine Mahlzeiten ausfallen.
  2. Iss regelmäßig und vermeide lange Hungerzeiten.
  3. Vermeide spätes Essen am Abend.
  4. Iss suppig, soßig und saftig.
  5. Achte darauf, dass du genug trinkst.
  6. Vermeide trockene Nahrung, z.B. Brotmahlzeiten und Salzstangen.
  7. Verwende Salz sehr moderat in deiner Küche.
  8. Vermeide Fertigprodukte (diese haben oft einen sehr hohen Salzanteil).
  9. Halte in der kalten Jahreszeit deine Nieren warm.

Um noch einmal auf meinen Reizhusten damals im Büro zurückzukommen.

Es klingt schon merkwürdig, aber recht schnell nachdem ich den Job gekündigt, und die Arbeit an meinem kleinen Familienkochbuch Hitzkopf trifft Frostbeule angefangen habe, ist mein Reizhusten verschwunden.

Das bringt mich auf einen Satz, den ich aus dem Mund meiner Oma kenne:

„Wenn dir etwas nicht gefällt, dann huste ihm was!“

Verrückt, oder?

Bleibst du mit einer Erkältung zuhause?

Wie viel Aufmerksamkeit schenkst du ihr?

Nimmt dein Umfeld Rücksicht auf dich?

Hinterlasse mir gerne einen Kommentar.

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