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Schnupfen und Erkältungen. Welche Hilfe passt zu welchen Beschwerden?

Jeden Winter stelle ich mir dieselbe Frage: „Warum habe ich mir ausgerechnet dieses Hobby ausgesucht?“ Ganz kurz zur Erklärung: Meine Tochter und ich teilen uns ein Pferd. Ein Hobby, bei dem alle meine Sinne und Bedürfnisse befriedigt werden. Ich bin viel an der frischen Luft und in der Natur, ich mag das bäuerliche Stall-Leben und unser Pony ist ein richtiges Goldstück. Aber ich muss zugeben, im Winter ist das schon eine richtige Herausforderung. Kalt und nass eben. 

 

Einmal habe ich meiner Tochter bei einer Reitstunde zugeschaut. Die Temperaturen lagen weit unter  Null und nach ca. 1 Stunde stillstehen war mir die Kälte richtig in die Knochen gekrochen.

 

Als ich dann ca. 2 Stunden später wieder zuhause war, habe ich mir sofort eine Wärmflasche und eine warme Suppe gemacht. Aber es half nichts, schon am Nachmittag lag ich mit Fieber krank unter einer dicken Decke.


 

Die chinesische Medizin unterscheidet verschiedene krankmachende, pathogene Faktoren. Einen wichtigen Bereich stellen die von außen kommenden Faktoren dar. Das sind klimatische Faktoren wie Wind, Hitze, Kälte, Feuchtigkeit und Trockenheit. Diese Faktoren wirken, von außen, auf den Menschen ein und wenn das Abwehr-Qi (einen weiteren Artikel zum Thema Immunsystem findest du hier…) nicht stark genug ist, dann dringt eben dieser krankmachende Faktor in den Körper ein. Dort verursacht er spezifische Krankheitssymptome.

 

In meinem Fall ist Wind-Kälte in meinen Körper eingedrungen. 

  • Kalte Temperaturen können das Abwehr-Qi daran hindern, sich im Körper zu verteilen. Kälte lähmt, lässt alles langsamer werden. Und Kälte schmerzt. Du kennst bestimmt das Gefühl, wenn deine Finger und Füße so richtig kalt geworden sind. Sie werden unbeweglich und schmerzen. 
  • Wind hingegen greift meist die oberen Körperbereiche an. Also Kopf, Hals, Augen und Nase. Beginnen Symptome plötzlich und recht stark, und zeigen sie sich mal hier und mal dort, dann ist das ein Zeichen für Wind. 

Mein Griff zur Wärmflasche und das Verlangen nach einer warmen Suppe, waren instinktiv richtig. Während dieser ersten Anzeichen einer Erkältung, also einer Abneigung gegen Kälte, Frösteln, einer laufenden Nase mit hellem, wässrigem Sekret und dem ersten Kratzen im Hals, besteht die beste Chance, den Verlauf der Erkältung zu beeinflussen, bzw. sie im letzten Moment noch abzuwehren. 

 

Der scharfe Geschmack

 

Erste-Hilfe-Tee

 

Ingwer vertreibt Kälte

 

Ingwer wärmt den Körper von innen und aktiviert das Abwehr-System. Frischer Ingwer ist leicht scharf. Der scharfe Geschmack bringt Bewegung in den (vor Kälte) erstarrten Körper und fördert das Schwitzen. Mit dem Schwitzen öffnen sich aus Sicht der alten Chinesen die Hautporen und werfen die „Krankheitserreger“ vor die Tür.

 

Wenn du mehr über Ingwer lesen möchtest, dann schau mal hier….

 

Achtung:

Ingwer gehört zu den 8 Schätzen der chinesischen Heilküche und ist mit dem gleichen Bedacht einzusetzen, wie ein Medikament. Aufgrund seiner wärmenden Wirkung und seines scharfen Geschmacks sollte Ingwer nicht bei Krankheiten oder Zuständen eingesetzt werden, deren Basis Hitze ist. Es ist aus diesem Grund nicht ratsam, Ingwer zu trinken oder zu essen, wenn du unter Fieber, starkem Durst, trockenem Mund, einer roten Zunge mit gelbem Belag oder Schmerzen im Oberbauch sowie unter Reflux oder Gastritis leidest. Bitte sei auch vorsichtig mit Ingwer, wenn du schwanger bist.

 

Ingwer-Tee

Ein ca. 3 cm großes Stück Ingwer in feine Scheiben schneiden oder mit einer Ingwer-Reibe raspeln. Mit ca. 1 – 1,5 Liter kochendem Wasser übergießen und mindestens 10 Minuten ziehen lassen. Wenn dir das zu scharf ist, kannst du mit etwas Honig süßen.

 

Ingwer-Dattel-Tee

20 g Ingwer und 2-3 Datteln in feine Scheiben schneiden, und in ca. 1 Liter Wasser auf kleiner Flamme für 30 Minuten köcheln lassen. Anschließend die festen Stücke abseihen.

 

Ingwer-Zimt-Tee

Dieser Tee wird traditionell im Anfangsstadium von Erkältungen des Typs Wind-Kälte eingesetzt. Ingwer und Zimt sind beide sehr stark erwärmend und so fördern sie das Schwitzen.

 

1 cm langes Stück Zimtstange in 500 ml. Wasser für 10 bis 20 Minuten auf kleinster Stufe kochen. Gegen Ende des Kochvorgangs 1 TL frisch gepressten oder geriebenen Ingwer zugeben und mit einer Messerspitze Pfeffer und etwas Honig abschmecken. 

 


Bitte iss nun keine schweren Speisen, denn diese sind stark befeuchtend. Feuchtigkeit macht deinen Körper schwer und zieht ihn sozusagen herunter. Und die eingedrungene Kälte gleich mit.

 

Leider hat mir das nicht viel genützt.

 

Ich wurde richtig krank. Ich lag mit hohem Fieber und schmerzenden Knochen, Schnupfen und Husten flach.

 

In der TCM heißt es, dass die krankmachenden Faktoren von der Oberfläche nun in die Tiefe gedrungen sind.

 

Der Körper reagiert auf die Kälte mit Hitze. Das Fieber hat die Aufgabe, die Kälte wieder zu vertreiben.

 

Durch die große Hitze dicken allerdings auch die Körperflüssigkeiten ein.

 

So wird das Sekret in der Nase zum Beispiel dick und gelb. Der Husten sitzt fest und lässt sich nicht richtig abhusten.

 

Ebenso hindert die Hitze das Qi daran, frei zu fließen. Auf diese Weise entstehen Blockaden und es kommt zur Stagnation. Das ist oftmals mit Schmerzen verbunden. Du kennst das vielleicht…jeder Knochen im Körper, aber auch die Haut werden empfindlich und jede Bewegung schmerzt.

 

Der Körper befindet sich im Kampf-Modus.

 

Was kannst du tun?

 

Unterstütze ihn mit leichten Speisen in kleinen Mengen.

 

Wenn du jetzt die klassische Hühnersuppe essen würdest, dann könnte das ziemlich nach hinten losgehen. Hühnersuppe baut sehr viel Qi auf, man spricht von einem Qi-Tonikum. Da aber dein Qi durch die Hitze schon an vielen Stellen blockiert wird, und darüber hinaus Hühnersuppe erwärmend wirkt, kannst du dir vorstellen, dass das den gleichen Effekt hätte, als würdest du Benzin auf ein Feuer schütten.

 

Es macht also viel mehr Sinn, deinen Körper durch leichte vegetarische Suppen oder Kompotte etwas herunter zu kühlen und ihm so zu helfen, die eingedickten Flüssigkeiten zu verdünnen. 



Zweite Hilfe-Tee

 

Auch in dieser Phase können wir die Wirkung des scharfen Geschmacks nutzen.

 

Allerdings unterscheidet die TCM die Richtungen scharf-heiß, scharf-warm, scharf-süß, scharf-erfrischend und scharf-kalt.

 

Pfefferminze ist scharf-erfrischend. Ihr scharfer Geschmack bewegt und rüttelt an dem eingedickten Schleim und gleichzeitig kühlt sie die Hitze.

 

Pfefferminztee

klärt Hitze und löst Nasen- und Nebenhöhlenverstopfungen.

Koche 10 g bis 20 g Pfefferminztee auf 1 Liter Wasser.

 

Holunderblütentee

Dieser Tee eignet sich gut, um fiebrige Erkältungen zu behandeln. Er hilft auch bei Sinusitis mit Bildung von Schleim in Nase und Nasennebenhöhlen.

Verwende 2 g bis 4 g pro Tasse.

 

Lindenblütentee

Klärt Hitze und wirkt schweißtreibend und beruhigend.

 

Verwende 1 g bis 2 g Lindenblüten pro Tasse. Trinke 2-4 täglich eine Tasse, nach Geschmack kannst du ihn mit etwas Honig süßen.


 

Meine Oma hat immer gesagt, eine Erkältung dauert eine Woche und mit Medikamenten sieben Tage.

Recht hatte sie.

 

Nimm dir Zeit für diese Auszeit. 

 

 

Hustensaft, Aspirin und Co. bringen dir kurzfristig Erleichterung, aber krank ist krank. Und das bedeutet, sich zuhause zu pflegen und auszuruhen. Eine Nase laufen zu lassen und Husten abzuhusten. Eine Erkältung muss richtig auskuriert werden.

 

Sind Fieber und Hitze erstmal weg, und du fühlst dich schon wieder etwas besser, dann kannst du dich mit einer Hühnersuppe stärken und deine verlorene Energie wiederaufbauen.

 

Aber auch das braucht etwas Zeit. Jetzt wieder ins Büro zu eilen und volle Leistungsfähigkeit zu erwarten, ist mit Sicherheit der falsche Ansatz.

 

Ich weiß, das sagt sich so leicht... du bist unabkömmlich 😉

 

Aber ich habe schon oft genug mitbekommen, dass eine nicht richtig auskurierte Erkältung gerne wiederkommt. Oder für den Rest des Winters das Gefühl bleibt, nicht richtig fit zu sein.

 

Macht es da nicht mehr Sinn, sich tatsächlich einmal richtig zu erholen, gut für sich zu sorgen und dann den Rest des Winters wieder fit zu sein. Letztendlich geht die Rechnung nicht auf, wenn du zwar schnell wieder in deinen Alltag zurückkehrst, dafür aber öfters krank wirst, oder?

 

Hast du Zeit, dich auszukurieren?

 

Was hindert dich?

 

Wie wichtig ist dieser Punkt für dich?

 

Hinterlasse mir gerne einen Kommentar.

 

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