der Dreifacher Erwärmer                                                                   San Jiao

 

Wenn du mich fragst, womit ich die Wörter wohlfühlen und wärmen verbinde, dann sehe ich vor meinem inneren Auge einen Suppentopf, der auf einem altmodischen Herd steht. Meine Oma hatte so einen Herd als ich noch sehr klein war. Sie entzündete mit einem Streichholz ein offenes Feuer, schob eine schwere, runde Eisenplatte darüber und setzte den Topf darauf.  Das hat mich in Kindertagen sehr fasziniert und beschert mir noch heute diese schöne Erinnerung.

 

Dieser Topf stand den ganzen Tag auf dem Herd und sein Inhalt köchelte stundenlang leise vor sich hin. Um den Herd herum beschlugen die Kacheln, es wurde warm im Raum und durch die Küche verbreitete sich ein wunderbarer Duft.

 

Es klingt vielleicht merkwürdig, aber dieses Bild möchte ich einmal dazu verwenden, dich mit einem wichtigen Organ des Körpers aus der Sicht der chinesischen Medizin bekannt zu machen. Der Ausdruck Organ ist etwas irreführend, denn es geht hier viel mehr um eine bestimmte Funktion, als um die tatsächliche Form. Denn letztendlich handelt es sich nicht um ein Organ als anatomisches Gebilde, sondern eben um einen Funktionskreis.

 

Der dreifache Erwärmer.

 

Der dreifache Erwärmer ist also eine funktionale Einheit, die sich aus verschiedenen Komponenten zusammensetzt, mit dem Ziel unsere Nahrung ausreichend zu verstoffwechseln und zu verdauen. Außerdem hat der dreifache Erwärmer die wichtige Aufgabe, Qi zu bilden.

 

Der Name verrät es schon.

 

Es gibt 3 Ebenen.

 

Eine Ebene bildet der obere Erwärmer, zu dem die Herz- und Lungenfunktionen gehören. Weiter gibt es den mittleren Erwärmer, zu dem die Milz, die Bauchspeicheldrüse sowie der Magen gehören und den unteren Erwärmer, zu dem die Nieren gehören. 

 

 

Was du isst und zu dir nimmst wird auf diesen drei Ebenen verdaut.

 

Ähnlich wie in dem Topf meiner Oma auf dem Herd, landen Speisen und Getränke erst einmal in deinem Magen. In der TCM spricht man auch vom großen Magentopf.

 

Unter dem „Magentopf“ brennt stetig und konstant ein Feuer. Dieses Feuer kommt aus deinen Nieren.

 

Im mittleren Erwärmer werden also Speisen und Getränke zerlegt, gefiltert, verarbeitet und in klare und wertvolle Substanzen sowie trübe und überflüssige Substanzen getrennt. Die Chinesen bezeichnen diese klaren Substanzen als Nahrungs-Qi.

 

Aus dem Nahrungs-Qi entstehen im nächsten Schritt unsere wichtigsten Körpersubstanzen, das Blut und das Qi. Das Nahrungs-Qi ist somit die Basis für unseren gesamten Energiehaushalt. Ebenfalls ist es die Ausgangsbasis für unseren Wärmehaushalt.

 

Das Nahrungs-Qi, auch nachgeburtliches Qi genannt, wird an Herz und Lunge abgegeben, weiter transformiert und von dort aus im Körper verteilt.

 

Unterstützung bekommt es von den Nieren, denn dort ist das vorgeburtliche Qi angelegt.

 

Das Nahrungs-Qi ist also das Qi, dass du über Nahrung und Getränke tagtäglich neu gewinnen kannst.

 

Anders verhält es sich mit dem vorgeburtlichen Qi aus den Nieren.

 

Das vorgeburtliche Qi ist dein kostbarer Schatz, der dir von deinen Eltern, entstanden aus dem Akt der Zeugung, mit auf den Weg gegeben wurde.

 

Ich vergleiche das vorgeburtliche Qi immer mit einem, im Idealfall, gut gefüllten Vorratskeller. Wenn du es nicht geschafft hast, einzukaufen, oder du keine Zeit hattest, zu kochen, dann kannst du dich aus diesem Keller heraus versorgen.

 

Entgegen der Realität des Alltags, lässt sich dieser Vorratskeller aber nicht mehr auffüllen. Was du dort herausgeholt hast, hinterlässt eine Lücke.

 

Jetzt wird deutlich, warum das vorgeburtliche Qi unser Schatz ist.

 

Du kannst nicht verhindern, dass das vorgeburtliche Qi eines Tages verbraucht sein wird, denn es ist der Zündfunke, der für alle Umwandlungsprozesse im Körper benötigt wird. Aber du kannst bestimmen, wie schnell es sich verbraucht.

 

Denn wenn du über die Nahrung und die Atmung weniger Qi aufnimmst, als du benötigst, dann wird das Defizit mit deinem vorgeburtlichen Qi aufgefüllt.  Dann bedient sich dein Körper an deinen Vorräten.

 

Du wichtigste Frage, die du dir stellen kannst, ist also:

 

Wie gewinnst du möglichst viel Qi aus der Nahrung?

 

Erinnere dich bitte noch einmal an den Suppentopf auf dem Herd.

 

Einmal aufgekocht, blubbert die Suppe über Stunden, auch auf kleiner Flamme und bei gleichbleibender Temperatur, vor sich hin.

 

Gibst du kalte Zutaten in den Topf, wird sich die Temperatur der Suppe herunterkühlen, du musst ein paar Scheite nachlegen und es wird eine Weile dauern, bis die Suppe wieder köchelt.

 

Legst du grundsätzlich zu viele Scheite nach oder gibst sehr heiße Zutaten in den Topf, wird die Suppe überhitzt und kocht über.

 

Im ersten Fall musst du also erst einmal zusätzliche Energie aufwenden, um den Kochvorgang wieder in Gang zu bringen. Energie, die du unterm Strich nicht für dich und deine Qi Produktion verwenden kann.

 

Im zweiten Fall verlierst du die Möglichkeit aus der kompletten Nahrung Energie zu gewinnen, da die Hälfte durch das Überkochen verloren geht.

 

Lass es mich noch einmal konkret formulieren:

 

Dein Körper kann Nahrung dann optimal nutzen, wenn er mit möglichst geringem Einsatz von Energie möglichst viel Energie (Qi) daraus gewinnen kann.

 

Hier geht es also nicht um Vitamine, Mineralien und Spurenelemente oder um das Zählen von Kalorien, sondern darum, dass die Energiebilanz am Ende des Tages stimmt.

 

Dein Körper erhält bei der Bildung von Nahrungs-Qi die größtmögliche Unterstützung, indem du deine Mahlzeiten kochst. Rohkost, eiskalte Getränke, kalte Nahrungsmittel, Zucker und Milchprodukte haben eine kühlende/befeuchtende Wirkung. Der Suppentopfinhalt wird, wie in meinem Beispiel, abgekühlt und dein Körper muss Energie aufbringen, um die Nahrung zu verdauen. 

 

Heiße Nahrungsmittel, z.B. scharfe Gewürze wie Chili und Pfeffer, bringen den Topf zum Überkochen. 

 

Mit ein paar einfachen Grundregeln kannst du ganz praktisch deine Mitte stärken. 

  • Iss gekochtes Gemüse statt Rohkost. 
  • Iss öfters mal einen Kompott, besonders in kalten Zeiten, statt rohem Obst. 
  • Ersetze Brotmahlzeiten durch warme, gekochte Mahlzeiten. 
  • Ersetze Müslis und Co. durch gekochtes Getreide, z.B. Porridge. 
  • Reduziere Milchprodukte auf ein gesundes Maß. 
  • Verwende scharfe Gewürze sparsam.
  • Sei ebenfalls sparsam mit Zucker und zuckerhaltigen Produkten.

Noch eine weitere Idee....

 

Während im Magen-Topf rein von unrein getrennt wird, gibt es eine Angewohnheit, die diese Arbeit unnötig erschwert. 

 

Der Griff zu Snacks und Co. zwischen den Mahlzeiten. Stell dir vor, der Prozess in deinem Magen-Topf, das Trennen von klar und trübe,  nähert sich dem Ende und just in diesem Moment kommt die nächste Zutat in den Topf. Die Arbeit beginnt wieder von vorne. Das kostet zusätzliche Energie. 

 

Mein letzter Tipp an dich.

  • Gönn deinem Körper 3-4 Stunden Pause zwischen den Mahlzeiten.